April 2015 – Tausende Tote: Katastrophe mit Ansage…

nepal-kathmanduSie haben es gewusst. Den meisten Menschen in Nepal war klar, dass die Katastrophe eines Tagen kommen würde. Schon vor Jahrzehnten hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass das ganze Land sich langsam von Osten nach Westen verschiebt. Nur ein paar Millimeter pro Jahr – doch in geologischen Dimensionen ist das eine Menge.

Aber hatten die Menschen in und um Kathmandu überhaupt eine Chance? Hätten sie irgend etwas tun können, um der Katastrophe zu entgehen und das Leben von Tausenden zu retten? Wahrscheinlich nicht.

Etliche Male habe ich die Region bereist. Ich haben mit nepalesischen Journalisten gearbeitet, mit Politikern gesprochen und am täglichen Leben der Einheimischen teilgenommen. Sie alle haben damit gerechnet, dass eines Tages ein Erdbeben die Region heimsuchen würde doch niemand von ihnen hatte das Geld (oder die Beziehungen) erdbebensicher zu bauen. Niemand kam auf die Idee, vorhandenen Bauwerke zu stabilisieren – viel zu teuer. Und den Behörden war das offensichtlich ziemlich egal.

Nich einem einzigen von denen, mit denen ich gesprochen habe, war bekannt, dass schon Minuten nach einen Erdbeben die Wasserversorgung völlig zum Erliegen kommen würde. Wasser in der Region Kathmandu wird mit elektrischen Pumpen gefördert. Der Strom dafür war nach den Erdstößen das erste, was weg war – die Leitungen wurden einfach zerrissen. Bisher gibt es noch immer kein Wasser – und bis die Versorgung wieder flächendeckend funktioniert, können Wochen oder Monate vergehen. Kein Strom, keine Pumpen, kein Wasser. Und ohne sauberes Wasser könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Infektionskrankheiten ausbrechen.