November 2014 – Training an der Journalistenschule in Myanmar

Myanmar4Im kommenden Monat (November) wird einer unserer Medientrainer in Myanmar (Birma) arbeiten. Dieter soll fast 50 Studenten am MMDC (Myanmar Media Development Center) unterrichten. Das MMDC ist die erste und größte Schule für Journalisten in Myanmar. Ausgebildet werden die Studenten vor allem für ihre zukünftigen Jobs beim Fernsehen und beim Hörfunk.

Geplant sind vor allem Kurse zur Recherchetechnik sowie Übungen zu den Themen „Interview“, „Aufsager“ und „VoxPop“. Als Abschußarbeiten müssen die Studenten einfache Kurzfilme und Nachrichtenstücke produzieren.

Das MMDC liegt im Herzen von Yangon (Rangun), der grüßten Stadt des Landes. Bekannt ist Yangon für die lebhaften Geschäftsbezirke, die beeindruckenden Pagoden und den Hafen am Iriyawaddy-River.

 

Rund drei Wochen später

Die letzten Tage in Myanmar und es war wieder spannend. Drei Wochen Arbeit an der ersten Journalistenschule, die dieses Land je hatte.

Reisen nach Myanmar ist inzwischen so einfach, wie nie zuvor. Viele internationale Fluggesellschaften haben Flüge nach Yangon (früher Rangun). Mittlerweile gibt es auch Direktflüge aus Deutschland. Ich bin mit Singapore Airlines gekommen, in einem brandneuen, ausgebuchten Airbus 330.
Da ich beruflich reise, musste ich nicht einmal mehr mein Visum vorab beantragen. Es wird direkt am Flughafen ausgestellt – und es dauerte weniger als fünf Minuten. Touristen können ihren Visaantrag jetzt online stellen.

Das Warten auf meinen Fahrer dauerte deutlich länger – wie immer. Er hatte keine Chance, das Fahrzeug innerhalb der Flughafenbereichs abstellen. Das Terminal am Flughafen Yangon (RGN) wurde zwar erst vor ein paar Jahren eröffnet – bereits jetzt ist es aber viel zu klein. Die Zahl der Passagiere ist zu groß geworden. Autos verstopfen die Zufahrtswege, bilden lange Schlangen. Die Vorfahrt vor dem Terminal ist häufig hoffnungslos blockiert und Hunderte von Menschen warten auf ihre Abholer. Schon sehr bald wird ein neuer, viel größerer Flughafen gebaut – ein Stück nördlich von Yangon. Eine Baufirma aus Singapur hat vor Kurzem den Zuschlag dafür bekommen.

Mein Arbeitsplatz war in der oberen Etage eines der in Yangon beliebten Einkaufszentren. Es ist das MMDC (Myanmar Media Development Center – www.mmdcmyanmar.com ). Fast 50 Studenten arbeiten (mehr oder weniger) hart, um ihr Diplom zu bekommen. 10 Monate dauert dieser Kurs und das Diplom wird überall in Myanmar anerkannt.

Einige der Schüler waren wirklich etwas speziell: So ist eine der Bedingungen für die Zulassung am MMDC die Vorlage eines Zertifikats, das Englischkenntnisse in Wort und Schrift bestätigt. Mir scheint es, als gäbe es verschiedene Möglichkeiten, um eines dieser Zertifikate zu erwerben… Tatsächlich war es so, dass etwa 50% der Studenten weder Englisch verstehen noch sprechen konnte. Vom Schreiben ganz zu schweigen. Glücklicherweise gibt es beim MMDC fähige Dolmetscher.

Am Ende des ersten Arbeitstages mit den Schülern habe ich alle nach ihrem Alter gefragt. Das Durchschnittsalter lag bei 26 – aber es war nur deswegen so „hoch“, weil es einen Schüler im Alter von 42 gab. Mit anderen Worten: eine ganze Reihe von ihnen waren nicht älter als 16 Jahre. Trotzdem (oder gerade wegen ihres jugendlichen Alters)  hat es Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten. Ich bin mir sicher, fünf oder sogar sechs von ihnen werden eines Tages gute Journalisten sein. Die Leistung von jenen war weit über dem Durchschnitt, sie waren während des Unterrichts immer anwesend, stellten viele Fragen und waren überaus aktiv beteiligt.

Na ja, und sonst so? Unabhängig von der Arbeit? Yangon war wieder beeindruckend, vibrierend, seltsam und überfüllt. Manche Dinge dort entwickeln sich sehr schnell – anderes scheint sich überhaupt nicht zu bewegen. Der Verkehr ist mittlerweile schrecklich – die öffentlichen Verkehrsmittel noch mehr. Myanmar, die ehemalige britische Kolonie hat vor mehr als 40 Jahren von Linksverkehr auf Rechtsverkehr umgestellt. Noch immer aber hat die Mehrheit der Stadtbusse in Yangon die Original-Türen auf der „falschen“ Seite. Oft sind zusätzliche Türen auf der rechten Seite in das Blech des Busses geschnitten Ich bin mir nicht sicher, ob die Busse älter sind als 40 Jahre (sie sehen so aus) oder ob sie preiswert aus Japan oder Indien importiert worden sind.

Es gab zwei Highlights während meines Aufenthaltes hier in der ehemaligen Hauptstadt. Die „große Nummer“ war der Besuch von Präsident Obama. Nach einem Treffen mit Regierungsmitgliedern hatte er ein Meeting mit Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi – Nobelpreisträgerin wie Obama selbst. Später hielt er eine Rede an der Universität.
Die zweite große Sache war die feierliche Eröffnung des ersten offiziellen BMW-Niederlassung in Myanmar. Auch hier: Live-TV-Berichte und Reden von Politikern.

Für mich als Europäer gibt es hier zwei Dinge, die mich immer wieder verwirren. Zum Einen ist es die Gefahr, die von Regenschirmen ausgeht. Immer dann, wenn die Sonne herauskommt (und das passiert fast jeden Tag) verwandeln eine Menge Leute ihre Regenschirme in Sonnenschirme. Der Verlust ihrer „natürlichen Blässe“ ist ein Alptraum für die meisten Menschen hier. Da ich ziemlich groß bin, befinden sich die bedrohlichen Spitzen der Regenschirme für mich ziemlich genau auf Augenhöhe. Ein sonniger Tag auf einem schmalen und überfüllten Fußweg wird zum Slalomlauf und manchmal zum Alptraum für mich.

Das andere, was ich wirklich hasse, ist die Tatsache, dass viele Menschen auf die Straße spucken. Als ich vor ein paar Jahren erstmals nach Myanmar kam, habe ich mich gefragt, woher die vielen rotbraunen Flecken auf der Straßen und den Fußwegen stammen. Schnell fand ich heraus, dass viele Menschen Betel kauen und das Zeug hin und wieder ausspucken müssen. Egal wann und wo. So kommt es immer wieder vor, dass jemand seinen bräunlichen, schleimigen Speichel direkt vor die Füße eines anderen rotzt. Manchmal denke ich, dass diese widerliche und unhygienische Angewohnheit auf lange Sicht selbst hartgesottene Touristen abschrecken könnte.