Juni 2015 – Für das Geld darf es auch gerne mit der Postkutsche gehen.

MyanmarPostIch wollte einen Brief verschicken. Empfänger ist ein Minister in der Regierung von Myanmar, in der Hauptstadt Naypyidaw. Naypyidaw ist mit seinen 900.000 Einwohnern deutlich kleiner als Yangon/Rangun, und wurde vor genau 10 Jahren zur Hauptstadt ernannt.

Schon vor ein paar Tagen hatte ich den Brief hier in Yangon an einen „Repräsentanten der Regierung“ übergeben. Vor zwei Tagen kam dann jemand in mein Hotel und brachte den Brief zurück. Der Kurier nach Naypyidaw würde voraussichtlich nicht vor Ende der nächsten Woche in die Hauptstadt fahren. Man empfahl mir, ihn per Post zu verschicken.

Das nächstgelegene Postamt ist von meinem Hotel aus gut zu erreichen. Es liegt auf dem Campus der Uni und ist nur rund zehn Minuten entfernt. Ein kleines Gebäude mit der Nationalflagge auf dem Dach und zwei Briefkästen vor der Tür.

Drinnen vier vergitterte und teilweise mit Panzerglas geschützte Postschalter – aber niemand dahinter. Nachdem ein paar Minuten Wartezeit klopfte ich an eines der Fenster und Sekunden später tauchte eine junge Dame dahinter auf. Ihr Englisch war etwas gebrochen doch gut zu verstehen.

Sie sah sich meinen Brief an und ich erklärte, dass er so schnell und so sicher wie möglich nach Naypyidaw müsse. „Kein Problem“, sagte sie, „wir schicken ihn als Eilbrief/Einschreiben. Das geht schnell, nach zwei oder drei Tagen wird er beim Empfänger sein.“ Nun, es nicht einmal 400 Kilometer nach Naypyidaw – aber hatte ich eine Wahl?

Sie holte einen Block mit Formularen, fünf Bögen Blaupapier und begann zu schreiben. Nach ein paar Minuten bekam ich das Original als Einlieferungsbeleg (siehe Photo). Was mit den fünf Kopien passiert ist, weiß ich nicht.

Zum Schluss ging es ans Bezahlen. Sie wollte 800,- Kyat haben, das sind umgerechnet rund 0,60 Euro. Bei dem Preis, dachte ich mir, darf es auch ruhig mal etwas langsamer gehen…