Mai 2015 – Medien und Militär: Natürliche Feinde?

Vanuatu1Im März war ich in Vanuatu, um von dort über den zerstörerischen Wirbelsturm und die Folgen zu berichten. Was ich sah, waren Menschen, die um ihr Leben und um ihren Besitz kämpften, ich sah zerstörte Gebäude und Felder und Männer und Frauen, die mit hoffnungslosem Gesichtsausdruck auf Hilfe von ihrer eigenen Regierung warteten.

Was ich noch beobachten konnte, war die Arbeit der RAAF, der Australischen Luftwaffe. Unermüdlich waren Flugzeuge unterwegs um die vom tropischen Wirbelsturm am stärksten betroffenen Gebiete zu finden und um die Menschen mit Hilfsgütern zu versorgen. Ganz klar: ohne die Frauen und Männer der RAAF wären die Folgen des Sturms für die Bevölkerung Vanuatus deutlich schlimmer gewesen.

Nun bin ich nicht nur Korrespondent/Reporter hier in der Region sondern auch der Vizepräsident der Vereinigung der Auslandskorrespondenten (FCA) in Australien. In dieser Funktion schrieb ich, noch aus Vanuatu, an die Pressestelle des australischen Verteidigungsministeriums. Ich bat darum, einigen der hier akkreditierten Korrespondenten aus aller Welt die Möglichkeit zu geben, eine nahe gelegene Basis der RAAF zu besuchen, sich über die Arbeit der Soldatinnen und Soldaten informieren zu lassen und sie nach ihren Erfahrungen bei Katastropheneinsätzen zu fragen.C 130 Hercules

Geduldig habe ich vier Wochen auf eine Antwort gewartet, ohne irgend eine Reaktion zu bekommen. Dann habe ich eine neue Mail geschickt: „Da ich nichts von Ihnen gehört habe, und da die Australische Armee eigentlich für ihre gute Zusammenarbeit mit der Presse bekannt ist, fürchte ich, dass Sie meine Anfrage nicht erhalten haben.“ Und jetzt kam die Antwort nur wenige Minuten später: „Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung. Wir hatten Ihre Anfrage an die RAAF weiter geleitet und haben jetzt noch einmal dort um Bearbeitung gebeten. Von dort wird sich jemand mit Ihnen in Verbindung setzen.“ Dass ich diese Antwort bekommen habe, ist nun genau 40 Tage her. – Ich warte noch immer…

Seit mehr als 20 Jahren berichte ich auch über Militäroperationen in aller Welt. Ganz deutlich ist für mich sichtbar, dass es in der Beziehung zwischen Militär und Medien erhebliche Entwicklungen gegeben hat. Natürlich, es gibt noch immer Staaten, wo die Presseoffiziere in Wirklichkeit „Presseabwehroffiziere“ sind. Doch in vielen Armeen hat man festgestellt, dass eine produktive Zusammenarbeit mit den Medienvertretern für beide Seiten wesentlich erfolgreicher ist, als die permanente Abwehrhaltung gegenüber der Presse.
Und wo steht hier Australien?