Oktober 2015 – ALDI in Australien und die Pressefreiheit

AldiDie deutsche Supermarkt-Kette ist in fast 20 Ländern auf drei Kontinenten aktiv, darunter in Australien. Hier unten betreiben sie knapp 400 Geschäfte und weitere sollen sehr bald eröffnet werden.

Eine Handvoll dieser Supermärkte sind nach einem anderen Konzept aufgebaut. Diese neuen Test-Filialen bieten verbesserte Beleuchtung, sind größer, mit erweitertem Angebot an frischen Lebensmitteln, In-House Bäckereien und Premium-Marken. Eine gute Story für einen unserer Kunden, einen deutschen TV-Sender.

Sehr schnell nehmen wir Kontakt mit der PR-Agentur von Aldi auf und bitten um ein Interview mit einem der Aldi-Sprecher und um die Erlaubnis in einer der Filialen zu filmen. Nur einen Tag später bekommen wir eine Antwort mit der Zusage, dass versucht werden soll, etwas für uns zu arrangieren.

Sieben Tage später dann eine E-Mail und ein Anruf vom Aldi-Kundenservice. Eine nette Dame am Telefon erklärt uns, dass die Drehgenehmigung in Aldi-Läden völlig im Ermessen des Filialleiters liegt. Fast zur gleichen Zeit kommt eine E-Mail von der PR-Agentur mit dem kryptischen Satz, dass sie „Medienanfragen dieser Art zur Zeit nicht aktiv koordinieren“. Wie auch immer, wir hatten niemanden gebeten zu koordinieren, wir wollen einfach nur in einem Geschäft ein kurzes Video machen.

Wenig später fahren wir zu einem dieser neuen „Test-Supermärkte“. Da wir definitiv nicht die Absicht haben, so etwas wie „investigativen Journalismus“ zu betreiben, bringen wir weder eine Kamera noch ein anderes Aufnahmegerät mit. Wir möchten lediglich einen Termin für die Filmarbeit absprechen. Im Geschäft bitten wir eine der Aldi-Mitarbeiterinnen, uns beim Geschäftsführer anzumelden. Mit unserer Visitenkarte in der Hand verschwindet sie im Büro der Marktleitung.

„Kein Problem“, ist dann ihre Antwort, als sie nur wenige Minuten später aus dem Büro kommt. Verbunden mit der Bitte, ein paar Minuten warten, da der Manager im Moment beschäftigt sei. Nichts geschieht für die nächsten 20 Minuten. Dann kommt die nette Aldi-Mitarbeiterin wieder, um uns zu sagen, dass es vielleicht noch ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte, da der Manager noch ein paar Telefonanrufe tätigen muss.

Nach 40 Minuten meldet sich dann mein Handy mit einer SMS (Screenshot).

Aldi-smsDer entscheidende Satz lautet: „… bitten wir Sie, die Räumlichkeiten zu verlassen.“ Haben sie denn etwas zu verbergen? Natürlich gehen wir hinaus. Draußen vor dem Supermarkt rufe ich sofort den Absender der Nachricht an. Die PR-Dame am Telefon erklärt uns, dass Aldi nicht daran interessiert ist, uns Zugang oder ein Interview zu gewähren, da der „PR-Effekt“ unserer Sendung auf dem australischen Markt zu gering wäre. Als ob wir jemals die Absicht hatten, kostenlose Werbung für Aldi zu produzieren…

Nun, um eine relativ lange Geschichte kurz zu machen, erkläre ich der Frau von der Werbeagentur, dass ich in jedem Fall den Fernsehbeitrag auch ohne die Kooperation von Aldi machen doch natürlich die Ablehnung durch Aldi erwähnen würde. Und das ist genau das, was wir getan haben.

Ganz am Ende unserer Gespräche kommt sie mit einer letzten Überraschung: Wohl wissend, dass es keine Zusammenarbeit gegeben hat und wir sogar aus dem Laden geworfen wurden, bittet die PR-Dame uns darum, ihr eine Kopie des fertigen Berichts zur Verfügung zu stellen. In meinen Augen eine sehr spezielle Auslegung des Begriffs „Pressefreiheit“