Oktober 2016 – Bitte lass Hirn vom Himmel regnen

pegidadresdenOh bitte, wer oder was auch immer lenkt und steuert, er möge doch endlich Hirn vom Himmel fallen lassen. Als ganz spezielle Sonderleistung für ein paar Hundert oder ein paar Tausend Menschen in Sachsen.

Ich bin froh und dankbar, dass ich das, was dort abgeht und vor allem am 3. Oktober abgegangen ist, aus über 16.000 Kilometern Entfernung beobachten kann – und nicht in der Nähe bin und womöglich darüber berichten müsste.

Ein guter Freund von mir lebt in Berlin-Schöneberg. Er ist bekannt für seine oft drastisch klaren Worte. Gestern sagte er mir am Telefon, dass er manchmal inständig hofft, dass die Mauer wieder aufgebaut wird.

Nun gut, das ist sicherlich maßlos übertrieben und wäre wohl auch zum Schaden des weit überwiegenden Teils der Bevölkerung in Deutschlands Osten. Doch wäre es nicht wunderbar, wenn all diejenigen, die hinter Pegida-Fahnen hinterherlaufen, die nach „einer starken Hand“ rufen, die heimlich oder offen den Hitlergruß zeigen, die behaupten, das Volk zu sein, die alle andersartigen „ausmerzen“ oder zumindest in einen Krieg zurückschicken wollen, die die Diktatur der Nazis zurücksehnen und die demokratischen Verhältnisse nicht wollen oder nicht verstehen, wenn die alle ihr eigenes kleines Land hätten? Vielleicht irgendwo in Sachsen, so in der Region Dresden? Wenn das nicht geht, könnte sich auch sicher ein Flecken Erde für die Ewig-Gestrigen weit im Nordosten unseres Landes finden.

Feste Grenzen wären gut – da kann man ja auf alter Erfahrungen zurückgreifen. Zumal viele von denen sowieso gerne einen Zaun errichten möchten. Dort könnten sie ihr Leben dann weitgehend nach ihren Vorstellungen gestalten, bräuchten sich um Menschen in Not überhaupt nicht zu kümmern, Demokratie könnte ihnen völlig egal sein und sie hätten Zeit und Ruhe ihr Land genüsslich zu Grunde zu richten.

angelamerkelWer mich kennt, der weiß, dass ich absolut kein Vertreter der Politik von Frau Merkel bin. Zu ihren Wählern oder denen ihrer Partei gehöre ich schon gar nicht. Doch sie ist von der Mehrheit der deutschen Wähler zur Chefin gemacht worden. Das akzeptiere ich Zähne knirschend und hoffend, dass die Wahlen im kommenden Jahr ihr endlich den verdienten Ruhestand verschaffen werden.

Eines aber ist ganz klar: wenn die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident und etliche andere Politiker und Menschen des öffentlichen Lebens in Dresden die Wiedervereinigung Deutschland feiern, dann ist das nicht nur ihr Recht sondern ihre verdammte Pflicht – und niemand hat das Recht, die Redner am höchsten nationalen Feiertag mit dumpfen Parolen niederzubrüllen.

Wer sich von Merkel & Co nicht vertreten fühlt, der hat ja alle vier Jahre die Möglichkeit, dieses zu ändern. Die Wahlbeteiligung bei den beiden letzten Bundestagswahlen zeigte allerdings, dass es rund 30 Prozent der Bevölkerung ohnehin völlig egal ist, wer sie regiert. Trotzdem: die, die da „wir sind das Volk“ schreien, können ja dazu beitragen, die Politik in Deutschland nach ihren Vorstellungen zu ändern. Wenn sie denn wirklich das Volk sind, sollte das klappen. Oder umgekehrt: wenn es nicht klappt, dann sie sie wohl nicht das Volk.

Und ja! Das funktioniert natürlich nur, wenn endlich jemand (zumindest in Sachsen) für die richtigen Leute Hirn vom Himmel regnen ließe.